Aufzeichnung

Zufall und mehr – Wie wir Serendipität nutzen können, um Zuversicht zu schaffen

In dieser achten Ausgabe der Diskussionsrunde vom 23.1.2025 sprachen Prof. Dr. Christian Busch (Autor von „Erfolgsfaktor Zufall“) und Reinhard Schneider darüber, wie man in Krisenzeiten handlungsfähig und optimistisch bleibt. Das Gespräch drehte sich um die psychologische, gesellschaftliche und unternehmerische Resilienz angesichts globaler und persönlicher Umbrüche.

Positiver Rationalismus statt toxischer Positivität
Christian Busch, der kurz vor der Aufnahme sein Haus durch die Waldbrände in Los Angeles verloren hatte, warnte davor, Krisen esoterisch schönzureden. Stattdessen plädierte er für einen „positiven Rationalismus“: Man muss den Schmerz und die Realität eines Verlustes akzeptieren, sich dann aber bewusst auf den verbleibenden Handlungsspielraum fokussieren.

Serendipität – Den Zufall aktiv nutzen
Busch unterscheidet zwischen blindem Schicksal und „Serendipität“ (aktivem Glück). Unerwartete Ereignisse und scheinbare Fehler können der Ursprung für große Innovationen sein, wenn man offen dafür ist – wie etwa die Erfindung einer Kartoffelwaschmaschine, weil Kund*innen eine herkömmliche Waschmaschine „zweckentfremdet“ hatten.

Unternehmerische Resilienz und Wahrhaftigkeit
Reinhard Schneider betonte, dass man sich in politisch und wirtschaftlich disruptiven Zeiten nicht von kurzfristigen populistischen Strömungen leiten lassen darf. Stattdessen sollten Unternehmer*innen und Individuen auf verlässliche Konstanten vertrauen, wie etwa die Erkenntnisse der Wissenschaft und grundlegende Naturgesetze.

Aus Fehlern werden Pannen
Schneider kritisierte, dass der Begriff „Fehler“ in der Gesellschaft oft mit Schuld behaftet ist. Er plädierte dafür, unerwartete Rückschläge eher als „Pannen“ zu betrachten. Eine Panne ist ein Lernmoment, der uns zwingt, innezuhalten, rational zu handeln und unsere Fähigkeiten zur Problemlösung zu trainieren.

Kooperation statt Herrschaftswissen
Um komplexe Probleme wie den Klimawandel zu lösen, sind diverse Netzwerke unerlässlich. Schneider argumentierte, dass das Horten von Informationen („Herrschaftswissen“) ausgedient hat. Nur wenn Unternehmen ihr Wissen teilen und branchenübergreifend zusammenarbeiten, können nachhaltige Technologien schnell genug skaliert werden.

Fazit
Die Diskussionsrunde zeigte, dass Zuversicht kein naiver Optimismus ist, sondern eine erlernbare Haltung. Sie erfordert psychologische Sicherheit in Netzwerken und Unternehmen, den Mut zur „Unperfektionistik“ für echte Exzellenz und die Bereitschaft, das Unerwartete als Chance zur Gestaltung der Zukunft zu begreifen.