Aufzeichnung

Wie schreiben wir unsere Zukunft wieder selbst?

In der 15. Ausgabe der Diskussionsreihe „Die Zuversichtlichen“ am 5.2.2026 sprachen der Bestsellerautor Frank Schätzing und Reinhard Schneider darüber, wie Gesellschaft und Wirtschaft aus der aktuellen Krisenstimmung herausfinden können. Das zentrale Thema war die Abkehr von einem lähmenden Pessimismus hin zu einer aktiven, mutigen Gestaltung der eigenen Zukunft.

Raus aus der Negativspirale
Frank Schätzing betonte, dass unser persönlicher Alltag oft sehr komfortabel ist, wir uns aber durch den ständigen Konsum negativer Medienberichte in eine übertriebene Angst vor Kontrollverlust treiben lassen. Er plädierte für den bewussten Fokus auf positive Entwicklungen – sogenannte „Friendly Facts“. Statt sich ohnmächtig zu fühlen und auf populistische Versprechen hereinzufallen, müsse der/die Einzelne lernen, die digitalen Medien mündig zu nutzen, um ein realistisches und ausgewogenes Weltbild zu formen, anstatt in Filterblasen zu verweilen.

Wirtschaft: Mut zur Innovation statt Bewahrung des Alten
Reinhard Schneider beleuchtete die wirtschaftlichen Herausforderungen. Er kritisierte die in Deutschland stark ausgeprägte „Vermeidungskultur“ sowie die fehlende Bereitschaft, ins Risiko zu gehen. Ein großes Problem sieht er darin, dass Großkonzerne oft brillante Ideen von Start-ups nur aufkaufen, um sie über Sperrpatente in der Schublade verschwinden zu lassen. So sollen alte, oft fossile Geschäftsmodelle geschützt werden. Den wahren Motor für echte, nachhaltige Innovationen sieht er im Mittelstand, der langfristiger denkt und neue Ideen tatsächlich auf dem Markt etablieren möchte.

Gemeinschaft und „Best Practice“ als Schlüssel
Beide Diskutanten waren sich einig, dass der ständige Ruf nach der einen alles rettenden, utopischen Wundertechnologie (wie etwa das perfekte plastikfressende Bakterium) eher ablenkt. Viel zielführender sei es, sich auf „Best Practices“ zu konzentrieren – also auf konkrete, bereits funktionierende Lösungen, die heute schon im Kleinen umgesetzt werden. Schätzing nannte als anschauliches Beispiel die von der Autoindustrie verlassene Stadt Detroit, die sich durch gemeinschaftliches „Urban Gardening“ neu erfunden hat und den Menschen so wieder ein Erfolgsgefühl und Zusammenhalt gibt.

Fazit
Die Transformation hin zu einer nachhaltigen, digitalisierten Welt ist nicht aufzuhalten und bereits in vollem Gange. Wer sich dieser Entwicklung verweigert, wird wirtschaftlich nicht überleben. Die Lösung liegt laut den zwei Experten nicht im Warten auf die Politik oder in der alleinigen Schuldzuweisung an Tech-Konzerne, sondern in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, dem Feiern von Vorbildern und dem Mut, wieder vermehrt gemeinschaftlich zu handeln.