Aufzeichnung
Wie viel Nachhaltigkeit braucht Demokratie? – Wie Unternehmen Zukunft gestalten
In der vierten Ausgabe der Diskussionsrunde vom 26.2.2024 sprachen Reinhard Schneider und Katharina Reuter (Geschäftsführerin des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft, BNW) über das essenzielle Zusammenspiel von Wirtschaft, nachhaltiger Transformation und demokratischen Werten.
Von CSR zu Corporate Political Responsibility (CPR)
Ein zentrales Thema war der Wandel der unternehmerischen Verantwortung. Es reicht heute nicht mehr aus, nur eine reine Nachhaltigkeitsabteilung (CSR) zu haben. Unternehmen müssen zunehmend politische Verantwortung übernehmen (CPR) und aktiv Haltung für demokratische Werte, Weltoffenheit und Vielfalt beziehen. Katharina Reuter kritisierte dabei das oft „dröhnende Schweigen“ vieler Großkonzerne gegenüber populistischen Strömungen.
Glaubwürdigkeit und Vielfalt im Unternehmen
Reinhard Schneider betonte, dass unternehmerische Haltung nicht nur Ankündigungs-PR sein darf. Unternehmen müssen „wahrhaftig“ kommunizieren und Vielfalt im eigenen Betrieb aktiv vorleben, etwa durch die Integration von Geflüchteten und gelebte Inklusion. Kampagnen wie die Initiative „Zusammenland“, bei der über 500 Unternehmen öffentlich für Vielfalt und gegen Populismus werben, seien ein gutes Statement, müssen aber zwingend in konkrete Maßnahmen münden, an denen sich die Unternehmen messen lassen müssen.
Kritik am Lobbyismus und Doppelstandards
Scharf kritisiert wurde das Verhalten einiger Konzerne und Wirtschaftsverbände, die sich nach außen hin gerne nachhaltig geben, hinter den Kulissen in Brüssel jedoch massiv gegen wichtige europäische Umwelt- und Sozialgesetze (wie das EU-Lieferkettengesetz CSDDD oder das Nature Restoration Law) lobbyieren. Die Diskutant*innen fordern hier mehr Transparenz und eine stärkere Orientierung an unabhängigen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die in der politischen Debatte als „neutrale Schiedsrichter“ fungieren sollten.
Bürgerbeteiligung stärken
Um das Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen und die gesellschaftliche Spaltung (den „Rollback“) zu überwinden, schlagen beide Expert*innen partizipative Formate wie repräsentativ ausgeloste Bürgerräte vor. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass deren erarbeitete, wissenschaftlich begleitete Empfehlungen von der Politik auch verbindlich umgesetzt und nicht ignoriert werden.
Fazit
Das Panel endete mit dem eindringlichen Appell, dass nachhaltiges Handeln und Vernunft wieder positiv begeistern müssen. Wirtschaftlicher Erfolg und echter Umweltschutz schließen sich nicht aus – vielmehr bedingen sie einander in einer intakten, wehrhaften Demokratie.