Aufzeichnung
Wie können wir zukunftsfähig wirtschaften?
Anlässlich der Weltrekord-Feier von Werner & Mertz (das Unternehmen hat eine Milliarde Flaschen aus 100 Prozent Post-Consumer-Recyclat inden Handel gebracht), fand die elfte Ausgabe der Talkreihe „Die Zuversichtlichen“ am 24.6. 2025 in Berlin statt. Gast der Runde war der Politiker und Autor Robert Habeck. In der Diskussion ging es primär um die Frage, wie eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft gelingen kann und welche politischen wie gesellschaftlichen Hürden es dabei zu überwinden gilt.
Herausforderungen für nachhaltiges Unternehmertum
Reinhard Schneider kritisierte, dass nachhaltiges Wirtschaften oft durch kurzfristige Börsenbewertungen und Profitgier torpediert wird. Er bemängelte, dass falsche wirtschaftliche Anreize – wie etwa ein niedriger Erdölpreis – es für viele Manager attraktiver machen, umweltschädliches Neu-Plastik zu verwenden, anstatt in Recycling zu investieren.
Strukturelle Zwänge des Marktes
Robert Habeck stimmte zu und erklärte, dass die strukturellen Zwänge der Märkte in der Regel stärker sind als der gute Wille einzelner Unternehmenslenker zur Nachhaltigkeit. Es brauche klare politische Regeln, jedoch beklagte Habeck, dass solche Regulierungen im heutigen Diskurs oft fälschlicherweise pauschal als „Bürokratie“ oder „Wirtschaftsfeindlichkeit“ abgetan werden.
Demokratie unter Druck
Ein großes Thema war der Schutz der freien Gesellschaft. Habeck äußerte tiefe Besorgnis darüber, dass Demokratien zunehmend Schwierigkeiten haben, gegen autokratische Systeme zu bestehen. Er definierte den Kern einer Demokratie als die „Begrenzung von Macht“, ein Prinzip, das momentan massiv angegriffen wird.
Ressourcenschutz als Sicherheitspolitik
Die Wiederverwertung von Rohstoffen wurde im Gespräch nicht nur als ökologisches, sondern auch als sicherheitspolitisches Instrument betrachtet. Habeck argumentierte, dass Recycling uns weniger erpressbar mache und Deutschland aus globalen Rohstoffkonflikten heraushalten könne.
Der Begriff der Zuversicht
Auf die Frage, wie man in einer von Krisen geplagten Welt die Zuversicht behält, stellte Habeck klar: Zuversicht ist keine blinde Hoffnung, sondern erfordert harte Arbeit und aktives Gestalten- Schneider schöpft seine Motivation vor allem daraus, dass Projekte, die anfangs als völlig unrealisierbar galten, gegen den Strom doch zum Erfolg geführt werden können.
Fazit
Die Diskussion war ein starker Appell dafür, der Resignation entgegenzutreten. Sie zeigte auf, dass eine Verbindung aus ökologischem und ökonomischem Handeln möglich ist und als Vorbild für künftigen gesellschaftlichen Zusammenhalt dienen kann.