Aufzeichnung
So retten wir das Klima
In der zehnten Folge der Gesprächsreihe am 5.5. 2025 diskutierte Reinhard Schneider mit Prof. Dr. Michael Sterner (Experte für Energiespeicher und erneuerbare Energien). Im Zentrum stand der aktuell stattfindende Umbruch in der Energiewende: Der Übergang von einem zentralen, auf fossilen Brennstoffen basierenden System hin zu einem dezentralen, intelligenten und vorwiegend erneuerbaren Energiesystem.
Die entscheidende Rolle der Energiespeicher (Power-to-X)
Prof. Sterner machte deutlich, dass der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie allein nicht ausreicht. Um das Netz stabil zu halten und Stromausfälle zu vermeiden, sind Speicher unabdingbar. Da Batterien und Pumpspeicher für lange „Dunkelflauten“ nicht genügen, ist die Power-to-Gas-Technologie (ein Teil von Power-to-X) der Schlüssel. Dabei wird überschüssiger Wind- und Solarstrom in Wasserstoff und anschließend (unter Zugabe von CO2) in Methan umgewandelt. Der große Vorteil: Dieses klimaneutrale Gas kann im bereits bestehenden, riesigen Erdgasnetz gespeichert und bei Bedarf wieder in Strom zurückverwandelt werden.
Sektorenkopplung und Kreislaufwirtschaft in der Industrie
Aus Sicht von Schneider reicht es nicht aus, sich den konventionellen Strom auf der Rechnung einfach nur „grün zu rechnen“. Echte Fortschritte entstehen durch dezentrale Vernetzung (Sektorenkopplung) und direkte Verträge mit Wind- oder Solarparkbetreibern (Power Purchase Agreements). Schneider betonte zudem, dass das häufige Gegenargument, wir hätten „nicht genug grüne Energie für alles“ hinfällig wird, wenn man das Prinzip der echten Kreislaufwirtschaft anwendet: Werden Plastik und Abfälle konsequent recycelt, sinkt der industrielle Energiebedarf für die Neuproduktion massiv.
Bürgerbeteiligung als Schlüssel zur Akzeptanz
Warum wehren sich oft Menschen gegen Windräder vor der eigenen Haustür? Die Lösung liegt laut den beiden Experten in der finanziellen und kulturellen Teilhabe. Wenn Bürger*innen über Energiegenossenschaften an den Erträgen lokaler Wind- und Solarparks direkt mitverdienen, weicht die Ablehnung schnell einer breiten Zustimmung. Auch kulturelle Integration, wie etwa die Feier eines lokalen „Winderntedankfestes“, schafft eine hohe Akzeptanz.
Mehr Zuversicht, weniger Angstdebatten
Am Ende zogen beide ein klares Fazit: Die technologischen und wirtschaftlichen Lösungen für die Klimaneutralität sind längst da. Es scheitert oft nur am politischen Willen und an Angstkampagnen. Wir müssen uns von der „Angstenergie“ lösen und mit Mut und positiven Best-Practice-Beispielen konsequent die nächsten Schritte gehen.