Aufzeichnung

Die Klimakrise bekämpfen – Wie werden wir Teil der „Lobby for Good“?

In dieser dritten Ausgabe der Gesprächsrunde vom 13.12.2023  diskutierten die Psychologin und Autorin Katharina van Bronswijk („Klima im Kopf“) und Reinhard Schneider  über die Rolle der Psychologie und der Wirtschaft bei der Bewältigung der Klimakrise. Im Zentrum stand die Frage, wie wir als Gesellschaft unsere Ohnmacht überwinden und wieder handlungsfähig werden können.

Die Psychologie als Schlüssel
Oftmals wird beim Klimaschutz nur über Physik oder Politik gesprochen. Dabei sitzt der größte „Klimaverzögerer“ in unserem eigenen Kopf. Kognitive Verzerrungen, wie der Optimismus-Bias (der Glaube, dass uns negative Folgen nicht treffen) oder ideologisches Wunschdenken (z. B. auf zukünftige technische Wunderlösungen zu hoffen), hindern uns am Handeln.

Von der erlernten Hilflosigkeit zur Selbstwirksamkeit
 Angesichts multipler Krisen neigen viele Menschen zur Resignation („erlernte Hilflosigkeit“). Der Ausweg besteht darin, durch konkrete Handlungen und den Zusammenschluss in Gruppen („Banden bilden“) wieder Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Umgang mit Gefühlen
Klimaangst ist keine behandlungsbedürftige Störung, sondern eine gesunde, evolutionäre Warnfunktion. Es ist wichtig, diese Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern sie in konstruktives Handeln umzuleiten.

Verzicht vs. Zuversicht und Kreislaufwirtschaft
Der Begriff „Verzicht“ triggert oft negative, reflexartige Abwehrreaktionen. Stattdessen sollten positive Zukunftsbilder und das Konzept der „Suffizienz“ (Genügsamkeit, die befreien kann) sowie die Kreislaufwirtschaft in den Vordergrund gestellt werden. Ein ressourcenschonender Konsum muss nicht zwingend mit Qualitätsverlust einhergehen.

Eine „Lobby for Good“
Sowohl Bürger*innen als auch Unternehmen müssen aktiv werden. Bürger*innen sind der Souverän des Staates und sollten das Gespräch mit Politiker*innen suchen, anstatt das Feld nur der fossilen Lobby zu überlassen. Unternehmen wiederum müssen sich durch Wesentlichkeit, Ganzheitlichkeit und Durchgängigkeit beim Thema Nachhaltigkeit als vertrauenswürdig erweisen.

Fazit
Beide Expert*innen plädierten dafür, sich nicht auf passive Hoffnungen zu verlassen, sondern sich wertegeleitet zu engagieren. Anstatt uns gegenseitig mit moralischen Zeigefingern zu belehren, brauchen wir positive Zukunftsbilder, Empathie in der Kommunikation (z.B. durch Zuhören statt Missionieren) und kollektive Zusammenschlüsse, um als „Lobby for Good“ echte strukturelle Veränderungen anzustoßen. Es gab unter anderem einen Verweis auf die handlungsorientierte Website daskannstdutun.de.